Wenn Fußball nichts mehr mit Sport zu tun hat…

Fußball ist eine Sportart. Daran hat sich seit mehr als 2000 Jahren wenig geändert. Die Regeln wurden hier und da modifiziert, vor vielen Jahren wurde das Punktesystem angepasst und in einer jeden Fußball-Liga gibt es (zumeist) Auf- und Absteiger. Doch irgendwann kann es sein, dass der Volkssport Fußball nicht mehr viel mit Sport zu tun hat – dann nämlich, wenn es vorrangig um das liebe Geld geht.

 (Grafik: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com  / pixelio.de)

In der Oberliga Niedersachsen ist dies jetzt der Fall. Sowohl Eintracht Nordhorn als auch der BSV Kickers Emden haben in den vergangenen Wochen Insolvenz angemeldet. Die Nordhorner haben round about 250.000 Euro Schulden, bei den Emdern stehen gar knapp drei Millionen Euro unter dem roten Strich. Finanzielle Fehlwirtschaft ist hier zweifelsfrei ein Grund für die Insolvenz. Und aufgrund dieser stehen beide Vereine bereits als Absteiger der fünftklassigen Oberliga fest. Sofern beide Vereine die aktuelle Saison normal beenden, werden sie in der Folgesaison in die sechstklassige Landesliga Weser-Ems eingegliedert.

Und genau dieser Umstand ruft nun die Landesliga-Vereine auf den Plan. Denn die beiden Insolvenz-Absteiger sollen nach dem Reglement des Niedersächsischen Fußballverbandes NFV für zwei zusätzliche Absteiger in der Landesliga sorgen. Karl Reuter vom SV Großefehn hat daher eine Resolution gestartet. „Es muss etwas passieren. Vereine wie wir leisten einen Kraftakt, um in der Landesliga zu spielen und wirtschaften solide. Und dann werden uns zwei Klubs vor die Nase gesetzt, die ihren Erfolg mit Schulden erkauft haben“, so Reuter zur Ostfriesen Zeitung.

Ob sich die betroffenen Oberliga-Klubs ihren Erfolg nun mit Schulden erkauft haben, sei dahingestellt. Dennoch ist es für die abstiegsbedrohten Landesliga-Klubs natürlich eine verzwickte Lage: man spielt und wirtschaftet solide und steigt am Ende ab, weil andere Vereine nicht richtig gewirtschaftet haben und infolgedessen Insolvenz anmelden mussten. Doch der Ärger der Fans richtet sich hierbei häufig nicht gegen die NFV-Statuten, sondern gegen die betroffenen Vereine. Vorallem in Emden richtet sich die Wut gegen den BSV Kickers. Die Lage in Nordhorn kann ich nicht beurteilen, vermute allerdings, dass die Situation dort ähnlich ist. Dabei können Nordhorn und Emden selbst nichts für die vom NFV festgelegten Regeln.

In solch einem Fall wäre es von Verbandsseite allerdings richtig – und für alle betroffenen Vereine sicherlich akzeptabler – nicht die Zahl der Absteiger auf 6 (bei 18 Mannschaften in der Liga wäre dies 1/3!) zu erhöhen, sondern die Zahl der Mannschaften in der kommenden Spielzeit auf 20 zu erhöhen. Die Landesliga könnte ihre Saison so vernünftig und wie geplant beenden und würde in der nächsten Saison lediglich zwei zusätzliche Vereine aufnehmen. Insbesondere für die Landesliga-Teams würde dies mehr Planungssicherheit bedeuten; in Emden und Nordhorn steht nämlich noch nicht zu 100% fest, ob die nächste Saison in der Landesliga beginnt: sollten die Klubs in der anstehenden Rückrunde mehrmals nicht antreten können, müssten sie in der untersten Kreisklasse neu starten.

Dass es im Sport heutzutage immer mehr ums Geld geht – auch im Amateurbereich – ist nichts Neues. Doch wenn solide Teams mit vernünftger wirtschaftlicher Lage unter den Missständen anderer Vereine leiden sollen, ist dies absolut nicht mehr zu akzeptieren.

Wie schätzt ihr die Lage ein? Obwohl das Thema in diesem Fall eher regional anzusiedeln ist, bin ich mal gespannt, inwieweit hier eine Diskussion zustande kommen kann. 

Hauke

Ich bin Hauke. Blogger, Texter, Papa. Ich blogge hauptsächlich hier auf tagestexte.de. Zudem findet man mich auf Facebook, Twitter und Instagram.

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