Aus dem Chaos entsteht System

Das vergangene Jahr brachte neue Umsatzrekorde für den Online-Handel. Damit rückt auch die Logistik im Hintergrund wieder verstärkt in unser Blickfeld. Schließlich bewegen die größten Händler gewaltige Mengen an Waren quer durch den Kontinent. Doch was wir uns als ein präzises System vorstellen, folgt in Wahrheit einer dynamischen Ordnung.

Die sogenannte chaotische Lagerhaltung hört sich zunächst nicht besonders strukturiert an, doch der Eindruck täuscht. Hinter diesem System verbirgt sich eine Methode, mit der die Unternehmen Zeit und Platz sparen. Sie setzen auf Chaos, statt auf Ordnung. Doch diese entsteht erst mit der Umsetzung dieses Systems, bei dem der Zufall scheinbar eine große Rolle spielt. Dieser ist nicht nur in der Logistik perfekt eingesetzt, sondern findet auch in zahlreichen anderen Branchen eine ideale Verwendung.

Der Zufall führt Regie

Der Zufall findet sich in unserer Welt an zahlreichen Orten. Er ist Bestandteil von mathematischen Systemen, die so präzise Entscheidungen treffen. Bestes Beispiel dafür sind Spielbanken oder Videospiele. Dort werden sogenannte Zufallsgeneratoren eingesetzt. Sie bestimmen im Casino den Zeitpunkt eines Gewinns oder legen überraschende Wendungen in Videospielen fest. Die Mathematik dahinter bringt Spannung ins Spiel. Das passiert bei Slots genauso, wie bei Strategiespielen oder beispielsweise Tetris.

Diese sogenannten „Würfeleffekte“ sorgen dafür, dass ein Spiel nicht seinen Reiz verliert. Sie variieren die Abläufe und halten damit unser Interesse aufrecht. Gleichzeitig sorgt der Zufallsgenerator dafür, dass eine nicht vorhersehbare Entscheidung unsere Lernkurve ansteigen lässt. Wir müssen regelmäßig mit neuen Herausforderungen zurechtkommen und lernen so die Abläufe und Wendungen besser kennen. Diese Beispiele zeigen deutlich, dass wir dem Zufall und damit dem Chaos regelmäßig begegnen. Doch das Unvorhersehbare muss kein Nachteil sein. Ganz im Gegenteil, Logistikunternehmen nutzen es, um noch effizienter arbeiten zu können.

Ordnung gegen Dynamik

Die Warenwirtschaft steht grundsätzlich vor mehreren Herausforderungen. Wer als Händler effizient arbeiten möchte, ist auf die Zuverlässigkeit des Systems angewiesen. Doch diese kann mit modernen technischen Möglichkeiten bis zum Maximum ausgereizt werden. Jeder Händler muss heute jederzeit wissen, was er auf Vorrat hat, und wo es sich in seinem Lager befindet. Daher hat er zwei verschiedene Möglichkeiten sein Lager zu sortieren.

Die geordnete Lagerhaltung setzt auf ein System, in dem Waren sortiert auf den für sie vorgesehenen Flächen gelagert sind. Doch ist das Lager erst einmal voll, ist das System am Ende. Neue Flächen müssen von Grund auf neu strukturiert werden. Dem gegenüber steht die chaotische Lagerhaltung. Sie verzichtet auf eine feste Einteilung der Flächen. Ganz im Gegenteil, sie nutzt sogar jeden noch so kleinen verfügbaren Raum perfekt aus, um neue Waren einzulagern. Kein Produkt hat einen fixen Lagerplatz, alles wird dynamisch überall dort geschlichtet, wo gerade Platz ist.

Das System erfordert Disziplin und IT-Unterstützung

Das bietet zahlreiche Vorteile. Branchen, die einen hohen Produktumsatz aufweisen, können so besser vorsorgen. Sie nutzen ihre Kapazitäten perfekt aus. Sortiments- oder Produktwechsel können ohne jegliche Neuplanung im Lager vonstattengehen. Nicht genutzte Flächen werden bei Bedarf weitervermietet.

Doch damit dieses scheinbar chaotische System in der Praxis funktioniert, sind einige Voraussetzungen unabdingbar. Zunächst benötigt das Lager eine Software, die jeden einzelnen Schritt exakt dokumentiert und aufzeichnet. Die Mitarbeiter sind gefragt, die Barcodes diszipliniert zu scannen, denn nur so wird die Ware in Folge auch wieder auffindbar. Bei einem Ausfall der IT kann es zu langen Verzögerungen kommen, doch das lässt sich mit entsprechenden Backup-Systemen verhindern.

Vorreiter Amazon

Bestes Beispiel für die Anwendung der chaotischen Lagerhaltung ist der amerikanische Online-Riese Amazon. Der Versandhändler nutzt dieses System bereits seit vielen Jahren und hat es längst perfektioniert. Alleine in Deutschland verkauft Amazon an Spitzentagen bis zu einer Million Artikel. Mehrere Millionen Artikel liegen auf Lager. Da erscheint es unvorstellbar, dass Mitarbeiter durch eine Lagerhalle laufen und sich auf die Suche nach den richtigen Artikeln oder Stellplätzen machen.

Hier greift ein automatisierter Workflow, der höchste Effizienz sicherstellt. Zunächst kommen die neuen Waren am Empfang an und werden dort gescannt. Das Einsortieren übernehmen Roboter. Diese nutzen das chaotische System und sind gleichzeitig mit dem Warenwirtschaftssystem verbunden. Dieses verwaltet alle materiellen Güter im Unternehmen und sucht einen passenden Stellplatz für den Artikel. Wird das gelagerte Produkt bestellt, sucht ihn das System anhand des zuvor gescannten Barcodes. Der Roboter holt ihn ab und legt ihn in eine Box. Erst jetzt kommen die menschlichen Helfer zum Einsatz. Sie bereiten den Versand vor.

Der Konzern ging in seiner Automatisierung sogar noch einen Schritt weiter. Mit der Einführung der sogenannten Dash Buttons konnten wir vor einigen Jahren sogar per Knopfdruck bestimmt Produkte nachbestellen. Doch mittlerweile sind diese in Deutschland nicht mehr verfügbar.

Der Ablauf in der Warenwirtschaft von Amazon zeigt nachdrücklich auf, dass der Barcode der Ware das zentrale Element für das Funktionieren einer chaotischen Lagerhaltung ist. Er definiert den Stellplatz und garantiert das Wiederauffinden. So entsteht aus einem vermeintlichen Chaos eine fast reibungslos funktionierende Warenwirtschaft, wie wir sie als Konsumenten kennen.

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