5. Juli 2024
love shouldn't hurt-printed on back of woman

Gewalt in Partnerschaften: Männer als häufige Opfer

In einer kürzlich veröffentlichten Studie, durchgeführt vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, wurde ein alarmierendes Ergebnis aufgedeckt: Mehr als die Hälfte aller Männer in Deutschland hat mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in der Partnerschaft erlebt. Die repräsentative Onlinebefragung, an der 1.209 Männer zwischen 18 und 70 Jahren teilnahmen, wirft ein Licht auf ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt.

Die Studie ergab, dass 54 Prozent der befragten Männer in Deutschland Gewalt in ihren Partnerschaften erfahren haben. Dieses Ausmaß an Partnerschaftsgewalt betrifft Männer aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen. „Männer in Deutschland sind in substanziellem Ausmaß von Partnerschaftsgewalt betroffen“, fasst Kriminologe Philipp Müller die Ergebnisse zusammen.

Die Arten von Gewalt, die Männer erleben, sind vielfältig. Psychische Gewalt, wie aggressives Anschreien, Beleidigungen und Demütigungen vor anderen, wurde von 40 Prozent der Befragten genannt. Ebenso berichteten 39 Prozent von Kontrollverhalten seitens ihrer Partnerinnen oder Partner, welches sich in Schuldzuweisungen, Einschüchterung und der Kontrolle über Kontakte äußerte. Körperliche Gewalt erlebten immerhin 30 Prozent der Männer.

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass viele Männer ihre Erfahrungen mit Partnerschaftsgewalt verdrängen. Zu Beginn der Befragung gaben nur 19 Prozent an, jemals Gewalt erlebt zu haben. Jedoch stieg diese Zahl auf 54 Prozent, wenn spezifische Gewalthandlungen abgefragt wurden. Erschreckend ist auch, dass ähnlich viele Männer (55 Prozent) angaben, selbst schon einmal Gewalt in ihren Partnerschaften ausgeübt zu haben.

Die Reaktionen der Männer auf Gewalt waren vielfältig: 68 Prozent gaben an, sich verbal gewehrt zu haben, während 10 Prozent angaben, sich körperlich verteidigt zu haben. Doch auch passives Verhalten wie das Dulden der Gewalt oder das Verlassen des Raumes wurden genannt. Alarmierend ist dabei, dass nur 1,6 Prozent der Betroffenen Hilfe in Anspruch nahmen.

Es zeigt sich auch, dass viele Männer, die Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden, auch selbst zu Tätern wurden. 73 Prozent der Betroffenen gaben an, sowohl Opfer als auch Täter zu sein. Trotzdem ist die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, hoch: Nur 8 Prozent der Männer wandten sich nach Gewalterfahrungen an die Polizei oder Beratungsstellen.

Die Studie verdeutlicht nicht nur das Ausmaß von Partnerschaftsgewalt gegen Männer, sondern auch die dringende Notwendigkeit für eine gesellschaftliche Sensibilisierung und Unterstützung. Die Interviewpartner der Studie äußerten den Wunsch nach mehr Bewusstsein für männliche Opfer von Gewalt und forderten verbesserte Hilfsangebote für betroffene Männer. Es ist wichtig, dass diese Ergebnisse nicht ignoriert werden und dass Schritte unternommen werden, um Männer in Partnerschaften vor Gewalt zu schützen und ihnen die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen.

Hauke

Ich bin Hauke. Blogger, Texter, Papa. Ich blogge hauptsächlich hier auf tagestexte.de. Zudem findet man mich auf Facebook, Twitter und Instagram.

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